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Aktuelles

24.07.2018
siemens

Siemens
Der leerstehende Siemens-Komplex an der Richard-Strauss-Straße 76 in Nachbarschaft zum Hypo-Tower wird abgerissen. Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) hat das Filetgrundstück erworben, plant dort den Bau ihrer neuen Zentrale ohne Wohnungen.
Foto: hgb

Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) will an der Richard-Strauss-Straße 76 auf dem rund 20 400 Quadratmeter großen, ehemaligen Siemens-Gelände drei Türme bauen – 40, 60 und 115 Meter hoch, mit 11, 16 und 30 Geschossen! Der Wolkenkratzer wäre genau so hoch wie der benachbarte Hypo-Tower. In einem der neuen Bürosilos soll die Zentrale der BVK kompakt untergebracht werden. Der Konzern, der sage und schreibe 72 Milliarden Euro verwaltet, hat knapp 1300 Mitarbeiter, will weiter wachsen, kalkuliert mit einem „deutlichen Anstieg“ um etwa 500 Beschäftigte.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses sind ob der Pläne – vom Planungsreferat liegt dazu ein „Eckdatenbeschluss zur beabsichtigten Überplanung“ vor – bestürzt und fassungslos zugleich. Und zwar nicht allein wegen der Höhe, der Baudichte und der zusätzlichen Verkehrsbelastung. Auch wegen der ausschließlich gewerblichen Nutzung. Es soll nämlich keine einzige Wohnung entstehen.

Total verärgert sind die Lokalpolitiker vor allem über die noch ungeklärte künftige Verwendung und „Verwandlung“ der drei bestehenden Gebäude des BVK-Standorts mit rund 34 000 Quadratmeter Nutzfläche beziehungsweise der Grundstücke an der Denninger- und Arabellastraße. Offensichtlich will die BVK dort, am Rand des Denninger Angers, keine Wohnungen gestalten.

Dazu erklärte ein BVK-Vertreter: „Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“ Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter, reagierte empört: „Ihr Vorstandsvorsitzender Daniel Just hat mir in Vorgesprächen im März 2017 und im Mai 2018 zugesagt, dass nach dem Umzug in die neue Zentrale in Folge am Denninger Anger Wohnungen entstehen. Wenn die BVK das nicht einlöst, halte ich den Bebauungsplan an. Wohnungen im Anger sind die Grundvoraussetzung für alles Weitere!“ Christiane Hacker (SPD) assistierte Brannekämper: „Wo Jobs entstehen, müssen Firmen auch Wohnungen entstehen lassen.“

Zu einer von Brannekämper im Unterausschuss gegenüber den BVK-Vertretern geforderten eindeutigen Zusage des Konzernchefs zu Wohnungen im Bereich Denninger Anger bis zur Juli-Tagung des Kommunalparlaments kam von Vorstandboss Daniel Just per Mail lediglich eine »Absichtserklärung«, wonach man bereit sei, den Wunsch zu überlegen. „Da hätte ich mir mehr Verbindlichkeit gewünscht, »Bestreben bekunden« und »nennenswerter Wohnanteil« – das ist zu schwammig, wenn auch eine freundliche Ansage.“ Brannekämper forderte eine juristisch eindeutige Zusage zum Wohnungsbau. „Wir wollen am Schluss nicht nur eine Hausmeisterwohnung. Wir wissen ja, wie das läuft. Das Planungsreferat muss sich einschalten.“

Beim Stichpunkt „Verkehrliche Erschließung“ donnerte CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller kritisch: „Es gib schon heute riesige Probleme, immer wieder besteht Verkehrschaos in der Richard-Strauss-Straße.“ Laut Berechnungen wird mit einem zusätzlichen Aufkommen von circa 1950 Kraftfahrzeugen / 24 Stunden kalkuliert. Dies habe laut städtischen Angaben aber „keinen wesentlichen Einfluss auf das Verkehrsgeschehen längs der Richard-Strauss-Straße bzw. benachbarter Knotenpunkte.“ Aber: Der Verkehr verteilt sich nicht auf 24 Stunden. Sondern: „Zwei Stunden morgens und zwei Stunden abends jeweils 1000 Autos mehr – dem können wir nicht zustimmen.

Der Jurist aufgebracht: „Und insgesamt rund 100 000 Quadratmeter Bürofläche ohne eine einzige Wohnung, das geht überhaupt nicht. Die BVK kann uns nicht für dumm verkaufen. Der Stadtrat muss eingreifen.

Dazu muss man wissen: Die Straße, über die der gesamte motorisierte BVK-Individualverkehr erfolgt, weist an der Oberfläche momentan eine Belastung von etwa 17 500 Kfz/24h auf. Im Tunnel sind es etwa 85 500 Kfz/24h. Gleichwohl stellte Finkenzeller klar: „Es muss nachgewiesen werden, wie das erhöhte Autoaufkommen gelöst wird.“

Gemäß Eckdatenbeschluss ist die RS 76 OHG, eine Projektgesellschaft, deren Gesellschafter neun Versorgungswerke sind, die durch die BVK vertreten wird, Eigentümerin des Grundstücks. Dieses ist westlich von der Richard-Strauss-Straße, nördlich an der Denninger Straße vom Forum Bogenhausen, östlich von einem Privatgrundstück sowie dem Denninger Anger und südlich von einer Kleingarten­anlage begrenzt.

Derzeit stehen auf dem fast rundum von einem zwei Meter hohen Stahlgitterzaun umgebenen Areal sechs untereinander verbundene zwei- bis sechsgeschossige Einzelbauten mit einer Geschossfläche von rund 29 100 Quadratmeter, entsprechend einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,43. Zur Neubebauung heißt es in der Vorlage: „Detaillierte Voruntersuchungen haben ergeben, dass eine Geschossfläche von rund 68 000 Quadratmeter städtebaulich, landschaftsplanerisch und stadtbildverträglich realisiert werden kann, wobei sich die Büronutzung auf rund 63 000 Quadratmeter und rund 5000 Quadratmeter ergänzende Sondernutzflächen verteilt.“ Zum Vergleich dazu die GFZ: rund 3,33. Kurzum: mehr als doppelt so viel Büro-Quadratmeter!

Der einstimmige Beschluss der Lokalpolitiker: „Der Bezirksausschuss fordert von der BVK die Zustimmung und Mitwirkungsbereitschaft durch die Verlagerung der Gewerbenutzungen vom Arabellapark zur Richard-Strauss-Straße auf den dort frei werdenden Gewerbeflächen zeitnah im Arabellapark Mietwohnungen von 50 Prozent der derzeit im BVK-Eigentum befindlichen Flächen zu realisieren. Der Aufstellungsbeschluss, die Durchführung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs und des Eckdatenbeschlusses werden bis dahin nicht weiter verfolgt.“

04.04.2018
parkplatz-cosimawellenbad

Auf dem – wohlgemerkt zu kleinen – Parkplatz des Cosimawellenbads prüfen die Stadtwerke München die Planung eines Gasheizwerks mit zwei Schornsteinen bis zu 40 Meter Höhe: Und das direkt gegenüber der Wohnbebauung.
Foto: hgb

Die Mitglieder des Bezirksausschusses waren konsterniert, ja entsetzt: Die Stadtwerke München (SWM) prüfen die Planung für ein Gasheizwerk auf dem Parkplatz des Cosimawellenbads – auf einer Fläche von etwa 50 mal 60 Metern, also rund 3000 Quadratmetern, mit zwei bis zu 40 Metern hohen Schorn­steinen! Schleierhaft, wie die Planer auf das Flächenmaß kommen. Denn das 120 Stellplätze umfassende Areal ist nachgemessen – ausgereizt bis auf den letzten Zentimeter Straßenrandgrün – maximal 50 mal 55 Meter groß.

Der Hintergrund: Die Münchner hatten in einem Bürgerentscheid im November 2017 dafür gestimmt, den Kohleblock II im Heizkraftwerk (HKW) Nord in Unterföhring bis Jahresende 2022 abzuschalten. Ob er wirklich abgeschaltet wird, entscheidet letztlich die Bundesnetzagentur (BNetzA). Sollte der Kohleblock systemrelevant sein, bliebe er am Netz. Systemrelevant bedeutet: Die Agentur, die die deutschen Stromnetze observiert, muss sicherstellen, dass ausreichend Energie ins bundesweite Netz eingespeist wird.

Um die Kapazitäten vom Block II des HKW Nord in Bezug auf die Fernwärme-Erzeugung ersetzen zu können, untersuchen die SWM nun vorsorglich zwölf mögliche Standorte für mit Erdgas betriebene Heizwerke im Stadtgebiet. Fünf bis sieben dieser dezentralen Anlagen – teils in Wohngebieten (!) – werden wohl benötigt. „Wir suchen nach Alternativen zur sicheren Versorgung der Bewohner mit Fernwärme“, erklärte Thomas Prein vom Büro des Technischen SWM-Geschäftsführers im Kommu­nalparlament.

Ob sämtliche Parkplätze am vor kurzem mit einem Aufwand von knapp 13 Millionen Euro sanierten Cosimawellenbad entfallen könnten – dieser Frage eines Lokalpolitikers wich Prein in seiner Antwort aus. „Wir haben in einem ersten Schritt einfach nach unbebauten Flächen gesucht, die der Stadt oder den SWM gehören, die groß genug für gastbefeuerte Heizwerke sind. Kein Platz ist ein Idealstandort. Wir haben uns gefragt, wo ist die Fläche mit dem kleinsten Übel.“ Und fügte lakonisch an: „Wir brauchen freie Flächen, wir können ja keine Häuser abreißen.“ Doch nicht jede freie Fläche, sofern vorhanden, ist geeignet. Das Areal muss nämlich auch an einem Einspeisepunkt für das Fernwärmenetz, „an einem geeigneten Netzpunkt“, liegen.

Werner Rühle, Leiter der SWM-Konzeption, stellte klar: „Wir machen keinen Strom, wir machen nur Wärme.“ Zur Größe der fachlich als Modulheizwerk bezeichneten Anlage mit zwei Kesseln erläuterte er: „32 Meter lang, etwa 17 Meter breit, zehn Meter hoch.“ Dazu kommen „auf den Nebenflächen“ der rundliche Wärmespeicher mit acht Metern Durchmesser und 25 Meter Höhe, zwei Schornsteine mit 35 bis 40 Metern Höhe, Zu- und Umfahrt (auch für die Feuerwehr im Notfall), Montagefläche für die per Schwertransporter angelieferten und mit einem großen Kran eingesetzten Kessel. Kurzum: mindestens 60 mal 50 Meter, macht in etwa 3000 Quadratmeter.

Zum Zahlenwerk präsentierte Rühle „ein Bespielbild“, ein Foto, genauer ein Projektorbild, vom BMW-Werk in Dingolfing. Das wollte er aber den Pressevertretern auf Nachfrage nicht zu Verfügung stellen – „das müssen wir erst noch den anderen Bezirksausschüssen zeigen“. Bei der Ansicht des „Klotzes“ ging ein Raunen durch die Reihen der Stadtteilvertreter, viele zuckten sichtlich zusammen.

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller war angesichts der geplanten Vernichtung der Parkplätze und der fehlenden baulichen Vorgaben für das Projekt sauer, ja wütend: „Man hätte auch den Marien­platz als Standort wählen können.“ Die konsequente Ablehnung des Vorhabens durch die Ortspolitiker machten die kritischen Nachfragen der Bezirksausschuss-Mitglieder deutlich.

Wie geht’s nun weiter? Am Donnerstag, 3. Mai, 19.30 Uhr, Saal der Schützenlisl II an der Englschalkin­ger Straße 208, Tagung des Untergremiums Planung, werden sich im nächsten Schritt die beiden SWM-Vertreter den Detailfragen der Kommunalpolitiker, einer Grundsatzdiskussion, stellen (müssen). Sicher ist jetzt schon: es wird ein verbales Kreuzfeuer.

15.03.2018
Lidl

Das Lidl-Projekt mit Supermarkt und 110 Wohnungen in Frankfurt.
Foto: Lidl

Rechtzeitig reagieren und präpariert sein, wenn sich einmal die Möglichkeit ergibt – das ist der Hinter­gedanke eines Dringlichkeitsantrags im Bezirksausschuss. Die CSU-Fraktion fordert in einem einstim­mig verabschiedeten Begehren die Stadt auf, „umgehend gemeinsam mit den großen Lebensmittel-Supermärkten – insbesondere Lidl und Aldi – Konzept zu entwickeln, wie die erdgeschossigen bau­lichen Verkaufsstätten sinnvoll für eine Wohnbebauung darüber liegend genutzt werden können“. Konkret für Bogenhausen könnte das auf ein angestrebtes Projekt mit einem Aldi-Markt an der Ecke Cosimastraße / Hochstiftweg zutreffen.

In der von Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Kommunalparlaments und CSU-Landtagsabgeordneter sowie Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller gezeichneten Initiative heißt es zur Begründung: „Seit vielen Jahrzehnten ist in München der Wohnungsmangel ein altbekanntes Thema. Während die Landeshauptstadt ihre Kindertagesstätten und -einrichtungen mittlerweile fast überwie­gend nur noch integriert in Wohngebäude errichtet – was zu entsprechenden Problemen führt, wie der Fall Prinz-Eugen-Park zeigt –, erhalten nach wie vor die führenden Lebensmittelmärkte Baugenehmi­gungen für ihre Verkaufsräume in erdgeschossiger Bauweise.“

Aldi

Die Aldi-Planung für ein Markt-Wohn-Projekt in Berlin-Lichtenberg.
Foto: Aldi

Die Folge gemäß Antrag: „Damit findet ein nicht hinnehmbarer Flächenverbrauch statt, zumal die Lebensmittelmärkte meist in exponierter Lage untergebracht sind. Der Raum über den erdgeschossigen Verkaufsstätten ist daher entsprechend wertvoll und kann auch – in vielen Fällen – entsprechend ge­nutzt werden. So plant Lidl derzeit in Frankfurt den Bau von 110 Wohnungen im Gallus-Viertel.“

Und weiter: „Bevor andere Städte sich diesem Konzept anschließen, ist es die Pflicht der Stadt München, sich der Thematik ebenfalls anzunehmen und zeitnah mit den entsprechenden Lebensmittelmärken in Kontakt zu treten. Die Stadt wird daher aufgefordert, entsprechend unverzüglich die notwendigen Schritte einzuleiten.“

Finkenzeller erläuterte im Plenum: „Lidl hat ein Programm gestartet, der Konzern fragt derzeit bei den Städten den Bedarf ab, will in Frankfurt ein kombiniertes Markt-Wohn-Projekt starten. Sicherlich ist die Umsetzung auch an Standorten in München möglich.“

Dazu muss man wissen: In Berlin gibt es bereits zwei Discounter-Wohn-Komplexe – in der Penzlauer Allee und an der Bornholmer Straße. Lidl erachtet grundsätzlich eine Überbauung von seinen bestehenden Filialarealen mit Wohnungen nur dann als sinnvoll, wenn den Kunden weiter ein großer, heller und freundlicher Verkaufsraum geboten wird. Der Konzern aus Neckarsulm will sich aber nicht zwingend auf Wohnungen beschränken. Auch Büros könnten in Frage kommen.

Skizze

Skizze für den kombinieren Komplex Discounter mit Wohnen an der Ecke Cosimastraße / Hochstiftsweg.
Entwurf: Rössler / Foto: hgb

Eigenwilliger Kommentar zum CSU-Vorstoß von Holger Machatschek (Grüne): „Das ist sinnvoll für die Stadt, nicht für Bogenhausen, außerdem nicht dringlich. Das ist völliger Unsinn.“ Finkenzeller konterte: „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“ SPD-Vizesprecher Wolfgang Helbig regte an, in den Antragstext das Vorhaben mit Aldi an der Cosimastraße einzufügen, um einen Stadtviertelbezug herzustellen. Das und den Finkenzeller-Zusatz „auch andere Filialstandorte im 13. Stadtbezirk zu überprüfen“, billigten die Lokalpolitiker unisono.

Zu all dem muss man wissen: Aldi-Nord plant, allein an 30 Standorten in Berlin, gemischte Komplexe aus Filiale und Mietshaus samt Tiefgarage zu bauen. Im Erdgeschoss soll der Discounter dann neben anderen Einzelhandelsgesellschaften untergebracht werden. Also weg vom bisherigen Modell der einstöckigen Gebäude mit davor befindlichen Parkplätzen. Eben Flächen sparend und auch wirtschaft­lich durch Mieteinnahmen.

Was hat es nun mit dem Aldi-Markt an der Ecke Cosimastraße / Hochstiftweg auf sich? Der Grundge­danke: Was Aldi-Nord kann, kann auch Aldi-Süd. Für das Grundstück samt dem großen, dahinterliegen­den Areal gibt es Überlegungen und Verhandlungen für ein kombiniertes Vorhaben. Damit die Vorstel­lungen des Münchner Architekten Hannes Rössler im Auftrag des türkischen Baukonzerns Tasyapi Realität werden können, müssen aber zunächst die Festlegungen im Bebauungsplan von der Stadt geän­dert werden. Dazu hat das Bogenhauser Kommunalparlament bereits einen entsprechenden Antrag an die Stadt verabschiedet.

15.02.2018

Spatz

Der Haussperling, gemeinhin Spatz genannt, ist in München immer seltener zu sichten.
Foto: NABU/Fotonatur

Auch wenn’s überspitzt formuliert ist – einen zwitschernden Vogel kennt manch ein junger Mensch nur mehr als Logo eines Kurznachrichtendienstes. Angesichts des Ergebnisses der Anfang Januar vom Lan­desbund für Vogelschutz (LBV) durchgeführten alljährlich Zählung der Wintervögel – noch nie hatten sich dabei so viele Bürger beteiligt – ist die Übertreibung durchaus angebracht.

Denn: In keiner deutschen Großstadt leben so wenige Vögel wie in München, sie finden kaum noch Lebensraum. Auch im 13. Stadtbezirk ist man besorgt. Über die Parteigrenzen hinaus stimmten sich die Fraktionen von CSU und ÖDP nach Beratung durch Fachleute im Bezirksausschuss ab. Das Kommunal­parlament verabschiedete einhellig einen Antrag: „Schutz der Singvogelpopulation in Bogenhausen stärken.“

In der Initiative wird die Stadt aufgefordert, Maßnahmen zum Schutz der Singvogelpopulation in Bogenhausen zu ergreifen. Dies umfasst insbesondere folgende Punkte, die unter anderem von den zuständigen Referaten bzw. vom Landesbund für Vogelschutz gefordert werden:

  • Ökologische Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Bogenhausen. Das beinhaltet insbesondere eine naturnähere Gestaltung mit heimischen Pflanzenarten, die einen deutlich höheren Nutzwert für Insekten und Vögel haben als gebietsfremde Arten.
  • Flächensparende Planung von Bauvorhaben und zurückhaltende, nur sehr moderate Nachverdichtung bestehender Gartenstadtquartiere, um empfindliche Biotope zu schonen, Baumbestände zu erhalten und die weitere Bodenversiegelung zu minimieren. Bei der Grünplanung ist auf eine strukturreiche, regionaltypische Bepflanzung zu achten, Rückzugsorte für Tiere sind vorzusehen.
  • Umwandlung von Flächen in städtischen Grünanlagen mit artenarmem Vielschnitt-Rasen in artenrei­che Wildblumenwiesen, um ein ausreichendes Nahrungsangebot sicherzustellen.
  • Konsequente Einhaltung der Vogelschonzeit vom 1. März bis 30. September, die der Paragraph 39 BNatSchG vorsieht, durch das Baureferat der Landeshauptstadt.
  • Vergrämung des Rabenbestandes im Umfeld der betroffenen Wohngebiete am Isarhochufer mittels Greifvögel durch die Stadtjäger des Kreisverwaltungsreferats (KVR).

In der Antragsbegründung heißt es: „Die Millionenstadt München ist von einem deutlichen Rückgang besonders der Singvögel betroffen, gegen den man ansteuern sollte. Zwar sind die meisten unserer Siedlungsvögel (zum Beispiel Rotkehlchen, Amseln und Meisen), die unsere Gärten bevölkern, noch in einem recht gute Populationszustand. Dies soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass besondere Maßnahmen notwendig sind, um dem allgemeinen Rückgang der Singvogelpopulation entgegen zu wirken.“

Unter weiter: „Hauptproblem unserer Singvögel ist die starke Verdichtung und die intensive Pflege von Grünflächen und Gärten, die zu Lebensraumverlust und Nahrungsengpässen führe. Insbesondere der starke Rückgang der Insektenwelt ist als sehr problematisch zu erachten, da fast alle Vogelarten ihre Jungen mit Insektennahrung aufziehen. Doch selbst Körnerfresser haben teilweise im Stadtgebiet mit Nahrungsmangel zu kämpfen, da Gräser durch häufiges Mähen nicht mehr zur Samenreife gelangen und Unkräuter effizient beseitigt werden. Auch Räuber-Beute-Beziehungen und Konkurrenz um das knappe Nahrungsangebot haben auf die Populationsdichte der Kleinvögel einen Einfluss.“

Die Schlussfolgerung aus all dem: „Damit auch die kommenden Generationen in Bogenhausen die wich­tigsten Singvogelarten noch erleben können und um diese zu bewahren, fordert der Bezirksausschuss die Stadt daher auf, diesen negativen Faktoren entgegen zu wirken.“

Zum besseren Verständnis: Bei der LBV-Aktion „Stunde der Wintervögel“ wurden binnen 60 Minuten in Münchner Gärten lediglich 21 Vögel gezählt. Bayernweit betrug der durchschnittliche Wert 34 Vögel. Der Münchner Abwärtstrend hält mit Beginn der Zählaktion vor acht Jahren kontinuierlich an. Stets belegte die Metropole dabei den letzten Platz unter den deutschen Großstädten.

Bei 1.900 Meldungen wurden Anfang Januar in München 40.000 Vögel erfasst, in etwa so viel wie in Hamburg. Allerdings dort bei lediglich 1.300 Meldungen. Symptomatisch für die Münchner Entwicklung ist der dramatische Rückgang der Haussperlinge, also der Spatzen, auf rund 1.700. Die Kohlmeise wurde mit rund 8.300 am häufigsten gesichtet, die Amsel folgt mit rund 5.200 auf dem zweiten Platz. Positives Ergebnis: Der Bestand unter den Grünfinken hat sich erholt.

18.01.2018

Die Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, wird aufgefordert umgehend zu der Aussage des Referats für Bildung und Sport Stellung zu nehmen, dass im Rahmen des Prinz-Eugen-Parks die LH München nachträglich und kurzfristig im Sommer 2017 die quotale Zuordnung der verschiedenen Wohntypen (München-Modell u.a.) vorgenommen hat. Dabei stellen sich insbesondere folgende Fragen:

  1. Welche Neuverteilung der unterschiedlichen Modelle (EOF, München Modell, KMB, Miete/Eigentum) wurde vorgenommen
  2. Was war der Hintergrund für die Umverteilung?
  3. Wie wurde die Veränderung iRd Stellplatzberechnung und Verkehrsprognose berücksichtigt?
  4. Welche Auswirkungen, insbesondere bzgl. der Betreuungssituation aufgrund der erhöhten Anzahl der zuziehenden Kinder und den zu erwartenden geänderten Bewohnermix, ergeben sich für das Plangebiet?
  5. Weshalb wurde der Bezirksausschuss hierzu nicht gehört.