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04.04.2018

Parkplatz am Cosimawellenbad: Stadtwerke prüfen Planung eines Gasheizwerks

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Auf dem – wohlgemerkt zu kleinen – Parkplatz des Cosimawellenbads prüfen die Stadtwerke München die Planung eines Gasheizwerks mit zwei Schornsteinen bis zu 40 Meter Höhe: Und das direkt gegenüber der Wohnbebauung.
Foto: hgb

Die Mitglieder des Bezirksausschusses waren konsterniert, ja entsetzt: Die Stadtwerke München (SWM) prüfen die Planung für ein Gasheizwerk auf dem Parkplatz des Cosimawellenbads – auf einer Fläche von etwa 50 mal 60 Metern, also rund 3000 Quadratmetern, mit zwei bis zu 40 Metern hohen Schorn­steinen! Schleierhaft, wie die Planer auf das Flächenmaß kommen. Denn das 120 Stellplätze umfassende Areal ist nachgemessen – ausgereizt bis auf den letzten Zentimeter Straßenrandgrün – maximal 50 mal 55 Meter groß.

Der Hintergrund: Die Münchner hatten in einem Bürgerentscheid im November 2017 dafür gestimmt, den Kohleblock II im Heizkraftwerk (HKW) Nord in Unterföhring bis Jahresende 2022 abzuschalten. Ob er wirklich abgeschaltet wird, entscheidet letztlich die Bundesnetzagentur (BNetzA). Sollte der Kohleblock systemrelevant sein, bliebe er am Netz. Systemrelevant bedeutet: Die Agentur, die die deutschen Stromnetze observiert, muss sicherstellen, dass ausreichend Energie ins bundesweite Netz eingespeist wird.

Um die Kapazitäten vom Block II des HKW Nord in Bezug auf die Fernwärme-Erzeugung ersetzen zu können, untersuchen die SWM nun vorsorglich zwölf mögliche Standorte für mit Erdgas betriebene Heizwerke im Stadtgebiet. Fünf bis sieben dieser dezentralen Anlagen – teils in Wohngebieten (!) – werden wohl benötigt. „Wir suchen nach Alternativen zur sicheren Versorgung der Bewohner mit Fernwärme“, erklärte Thomas Prein vom Büro des Technischen SWM-Geschäftsführers im Kommu­nalparlament.

Ob sämtliche Parkplätze am vor kurzem mit einem Aufwand von knapp 13 Millionen Euro sanierten Cosimawellenbad entfallen könnten – dieser Frage eines Lokalpolitikers wich Prein in seiner Antwort aus. „Wir haben in einem ersten Schritt einfach nach unbebauten Flächen gesucht, die der Stadt oder den SWM gehören, die groß genug für gastbefeuerte Heizwerke sind. Kein Platz ist ein Idealstandort. Wir haben uns gefragt, wo ist die Fläche mit dem kleinsten Übel.“ Und fügte lakonisch an: „Wir brauchen freie Flächen, wir können ja keine Häuser abreißen.“ Doch nicht jede freie Fläche, sofern vorhanden, ist geeignet. Das Areal muss nämlich auch an einem Einspeisepunkt für das Fernwärmenetz, „an einem geeigneten Netzpunkt“, liegen.

Werner Rühle, Leiter der SWM-Konzeption, stellte klar: „Wir machen keinen Strom, wir machen nur Wärme.“ Zur Größe der fachlich als Modulheizwerk bezeichneten Anlage mit zwei Kesseln erläuterte er: „32 Meter lang, etwa 17 Meter breit, zehn Meter hoch.“ Dazu kommen „auf den Nebenflächen“ der rundliche Wärmespeicher mit acht Metern Durchmesser und 25 Meter Höhe, zwei Schornsteine mit 35 bis 40 Metern Höhe, Zu- und Umfahrt (auch für die Feuerwehr im Notfall), Montagefläche für die per Schwertransporter angelieferten und mit einem großen Kran eingesetzten Kessel. Kurzum: mindestens 60 mal 50 Meter, macht in etwa 3000 Quadratmeter.

Zum Zahlenwerk präsentierte Rühle „ein Bespielbild“, ein Foto, genauer ein Projektorbild, vom BMW-Werk in Dingolfing. Das wollte er aber den Pressevertretern auf Nachfrage nicht zu Verfügung stellen – „das müssen wir erst noch den anderen Bezirksausschüssen zeigen“. Bei der Ansicht des „Klotzes“ ging ein Raunen durch die Reihen der Stadtteilvertreter, viele zuckten sichtlich zusammen.

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller war angesichts der geplanten Vernichtung der Parkplätze und der fehlenden baulichen Vorgaben für das Projekt sauer, ja wütend: „Man hätte auch den Marien­platz als Standort wählen können.“ Die konsequente Ablehnung des Vorhabens durch die Ortspolitiker machten die kritischen Nachfragen der Bezirksausschuss-Mitglieder deutlich.

Wie geht’s nun weiter? Am Donnerstag, 3. Mai, 19.30 Uhr, Saal der Schützenlisl II an der Englschalkin­ger Straße 208, Tagung des Untergremiums Planung, werden sich im nächsten Schritt die beiden SWM-Vertreter den Detailfragen der Kommunalpolitiker, einer Grundsatzdiskussion, stellen (müssen). Sicher ist jetzt schon: es wird ein verbales Kreuzfeuer.